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Bei Problemen hilft der Sheriff

Alles neu in der Zentralen Flüchtlingsunterkunft nach dem Betreiberwechsel Anfang April – Derzeit leben 175 Menschen aus 22 Nationen in der Unterbringungseinrichtung – Gute Zusammenarbeit mit Gemeinde Kall

Kall – Auf den ersten Blick fällt nichts auf, was sich in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge an der Messerschmittstraße in Kall geändert hat. Selbst die vom syrischen Künstler Kaniwar Avrone gemalten Bilder sind alle noch an den Wänden und verschönern die verwinkelten Gänge in dem einst von Glas Funke genutzten Industriegebäude.

Doch beim genauen Hinsehen fallen dann doch Änderungen auf. Das betrifft zu großen Teilen die Menschen innerhalb der ZUE. Denn wegen eines Betreiberwechsels wurden nicht nur die Mitarbeiter ausgetauscht (auch wenn einige Angestellte des alten Betreibers vom neuen übernommen wurden). Bis Ende März mussten auch alle Bewohner die Einrichtung verlassen – das ist bei einem Betreiberwechsel so üblich.

Diese drei Damen besuchen das Frauencafé und verbringen dort ihre Zeit mit Stricken. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Das Gebäude war komplett leer, als wir es übernommen haben“, berichtet Betreuungsleiter Alf Skolik vom Essener Betreiber European Homecare, der am bisherigen Konzept festhalten wird. Interieur ist mittlerweile wieder ausreichend vorhanden, von Büromöbeln über Betten und Schränke in den für 300 Menschen ausgelegten Wohnboxen bis hin zu neuen Möbeln in der nun freundlicher gestalteten Mensa, die sich zwischen den beiden Wohnhallen befindet. Und auch Bewohner hat die ZUE wieder: 175 an der Zahl, darunter 68 Kinder und Jugendliche. 22 Nationen sind vertreten, die meisten aus dem Iran, Irak, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Somalia, Eritrea und auch Russland.

Skolik selbst und ein Großteil der insgesamt 35 Mitarbeiter in den Bereichen Betreuung, Küche, Hausmeister, Reinigung, Sanitätsdienst, Kinderbetreuung und Verwaltung haben vorher in Kerpen gearbeitet. Dort hatte es wie in Kall einen Betreiberwechsel gegeben. Die Kaller Einrichtung wird vom Land finanziert, die Bezirksregierung Köln ist für sie zuständig, Einrichtungsleiter Ralf Caron sitzt zwei Zimmer neben Alf Skoliks Büro. „Mindestens zweimal pro Woche tauschen wir uns aus“, erzählt Skolik.

Beschäftigung und Fürsorgepflicht

Was auffällt: European Homecare gibt den Flüchtlingen einerseits genug Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. So werden DVD-Abende veranstaltet und Kickerturniere, es gibt eine Theater-AG und es wurden Fahrten nach Köln, etwa zu Musicals und sogar zum DFB-Pokalfinale der Frauen, organsiert. Auch autogenes Training, Bastel-, Mal- und Schwimmkurse werden angeboten. „Ich würde gerne noch einen Spielplatz auf dem Hof errichten“, berichtet Alf Skolik.

Andererseits wissen die Mitarbeiter von European Homecare aber auch um ihre Fürsorgepflicht für die Bewohner. Einer Mitarbeiterin war es ein Herzensanliegen, ein Frauencafé anzubieten. Darin wird nicht nur geschwätzt, gestrickt und sogar getanzt. Darin geht es auch um Dinge wie Körperpflege und Verhütung. Hin und wieder sind auch Mitarbeiter von Frauenberatungsstellen zu Gast.

Mohammad Sheriff, Mitarbeiter im Info-Punkt, steht den Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Ein Sozialarbeiter nimmt besonders Neuankömmlinge sprichwörtlich an die Hand, zeigt ihnen, wie sie in die Kaller Ortsmitte kommen oder ins Gewerbegebiet, ohne den Verkehr und sich selbst zu gefährden, denn es war in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dass Flüchtlinge über die stark befahrende Landesstraße spaziert waren. „Wir zeigen ihnen einmal Kall, wo der Bahnhof ist und wie sie ein Ticket ziehen können“, sagt Skolik.

Von montags bis freitags wird eine Kinderbetreuung im einrichtungseigenen Kindergarten angeboten. Zwei Mitarbeiter bieten außerdem Deutschkurse für Kinder und Erwachsene an. „Dafür gibt es sogar ein Zertifikat. Das ist zwar nicht offiziell, aber man hat dennoch etwas in der Hand“, beschreibt es Skolik.

Alf Skolik ist für die Betreuung der derzeit 175 Flüchtlinge in der Kaller Unterbringungseinrichtung zuständig. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Einige der Bewohner sind wegen schrecklicher Dinge vor und während der Flucht traumatisiert. Diesen vermittelt der Sanitätsdienst Termine bei einer psychologischen Praxis oder bei einem Psychiater. Zweimal die Woche steht ein Arzt zur Verfügung. Und wenn es mal Probleme gibt, fragen die Flüchtlinge einfach den „Sheriff“. Damit ist Mohammad Sheriff gemeint, ein Betreuer, der am Infopunkt den Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite steht.

European Homecare setzt auch auf eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kall. Es gibt runde Tische, auch bei der von Skolik angestoßenen Spielplatzplanung konnten Gemeindevertreter helfen. Deshalb kommt er zu dem Schluss: „Wir sind hier total gut aufgenommen worden und fühlen uns sehr wohl.“

pp/Agentur ProfiPress

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