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Auf den Spuren des Glaubens

Zum Reformationsjubiläum machten sich Christen im Schleidener Tal auf den Pilgerweg, um im Wortsinn zu erfahren, dass die Nachfolge Jesu Christi schon immer eine Bewegung war – Weihbischof und Superintendent erinnerten einander an ihre christliche Taufe – Evangelischer Taufstein zu Besuch in der katholischen Schlosskirche

Schleiden/Gemünd/Eifel – Jeden Sonntag, bei Wind und Wetter und teils heimlich bewältigten die Protestanten im 17. und 18. Jahrhundert den Fußweg von Schleiden zur Evangelischen Kirche in Gemünd. Sechs Kilometer durch das Schleidener Tal – und nach dem Gottesdienst wieder sechs Kilometer zurück.

Der Schleidener Pfarrer Philipp Cuck lud in der katholischen Olefer Pfarrkirche St. Johannes Baptist wie zum Abschluss des ökumenischen Pilgerpfades in der Schleidener Schlosskirche zum ökumenischen Gebet ein. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

Zum Reformationsjubiläum wiederholten jetzt hundert Christen beider Konfessionen die Begehung des alten Kirchpfades als Pilgerweg. Obwohl mit Johannes Sleidanus und Johannes Sturmius bedeutende reformatorische Denker aus Schleiden stammten und es auch seit 1542 eine evangelische Gemeinde in Schleiden gab – noch früher als in Aachen – blieb den Protestanten in Schleiden die evangelische Predigt lange verwehrt.

Genau 167 Jahre lang, von 1619 bis 1786, war die Feier von protestantischen Gottesdiensten in Schleiden verboten und die Reformierten mussten sich dafür nach Gemünd begeben. Die Nachbarstadt befand sich unter anderer, der neuen Konfession offenbar aufgeschlossener Herrschaft.

Der katholische Aachener Weihbischof Dr. Johannes Bündgens (r.) und der evangelische Superintendent Hans-Peter Bruckhoff erinnerten einander an die christliche Taufe, die die Konfessionen mittlerweile untereinander als gültig anerkennen. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

Der aktuelle Pilgergang anlässlich des Reformationsjubiläums begann an der Evangelischen Kirche in Schleiden, führte durch das katholische Olef und endete in der Evangelischen Kirche von Gemünd. Caren Braun, Redakteurin des evangelischen Kirchenkreises Aachen, schreibt: „Mit dem heute gemütlichen Spaziergang auf asphaltierten Wegen, entlang idyllischer Pferdekoppeln und durch gepflegte Wohngebiete hatte die damalige Strecke sicher nicht viel Ähnlichkeit.“

„Wir fanden es trotzdem einmal spannend, nachzuempfinden, was die Menschen früher gemacht haben, um ihren Gottesdienst feiern zu können“, sagten Uwe und Martina Kappe aus Monschau der Journalistin: „Für uns ist das der erste Pilgerweg überhaupt, den wir gehen, und für uns waren die Andachten zu Beginn und unterwegs sehr anregend.“

Etwa hundert Menschen machten sich unter dem Motto „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Epheser 4) auf den Pilgerweg von Schleiden nach Gemünd. Anders als in früheren Jahrhunderten nahmen an diesem Kirchenweg nicht nur Protestanten teil, sondern auch viele Katholiken. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“

Etwa hundert Menschen machten sich zum Motto „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Epheser 4) auf den Weg. Die Pilgerschar wie das Vorbereitungsteam setzten sich ökumenisch zusammen. Als Stationen waren zwei katholische und zwei evangelische Orte ausgewählt worden: Zu Beginn die Evangelische Kirche in Schleiden, als Zwischenstopp die katholische Kirche St. Johann Baptist in Olef, als Ziel die Evangelische Kirche in Gemünd und zum Abschluss der Gottesdienst in der Schlosskirche Schleiden. Zuvor gab es einen Empfang mit Grußworten und Imbiss im Franziskus-Haus in Schleiden.

„Heute markiert dieser Weg nicht mehr das Trennende, sondern das Gemeinsame, das uns eint“, sagte der evangelische Pfarrer Erik Schumacher aus Schleiden, in seiner Andacht zu Beginn. „Das Wort Gottes hat von jeher Menschen in Bewegung versetzt, und es kam nicht leer zurück. Heute führt es uns in versöhnter Verschiedenheit aufeinander zu.“

Dieses Team hatte den ökumenischen Pilgertag vorbereitet. Foto: Caren Braun/Kirchenkreis Aachen/pp/Agentur ProfiPress

Pfarrer Philipp Cuck hielt die Andacht in Olef, wo sich eine der Ur-Pfarreien der Region befindet. In Olef wurden schon ab dem Jahr 890 die ersten Christen getauft. Der aktuelle Taufstein in der Pfarrkirche St. Johann Baptist stammt aus dem 12./13. Jahrhundert.

In der Evangelischen Kirche in Gemünd, am Ziel des Pilgerweges, hielt Pfarrer Harald Ulland aus Waldniel die Andacht. Beim Empfang im Franziskus-Haus sprachen der Schleidener Bürgermeister Udo Meister und der stellvertretende Bürgermeister von Hellenthal, Werner Wamser, sowie Vize-Landrat Markus Ramers Grußworte.

In der Schleidener Schlosskirche hatte am 19. Februar 1542 schon der Straßburger Reformator Martin Bucer gepredigt. Zum Reformationsjubiläum sang der katholische Kirchenchor. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

„Die Ökumene ist bei uns in der Eifel gelebter Alltag“, beteuerte Udo Meister. Die Aufgabe der Christen sei es seiner Meinung nach, das Verbindende zu betonen. Selbst Martin Luther habe mit der Reformation nicht die Absicht gehabt, eine neue Kirche zu gründen, sondern er habe die herrschenden Zustände verbessern wollen. „Das sollte auch 500 Jahre später noch unser Ziel sein“, sagte der Schleidener Verwaltungschef.

Wasser aus zwei Taufbecken geschöpft

Nach dem Pilgerweg freuten die Teilnehmer sich über Brot und Suppe. Zum Abschlussgottesdienst in der Schleidener Schlosskirche begrüßte der katholische Pfarrer Philipp Cuck nicht nur die Gäste, sondern auch das evangelische Taufbecken, das aus der evangelischen Kirche in die Schlosskirche gebracht worden war.

Der Pilgerzug ist in Schleiden aufgebrochen auf dem Weg, den Schleidener Protestanten 167 Jahre lang zum Gottesdienst nach Gemünd laufen mussten, weil evangelische Predigt in der Schlossstadt verboten war. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

Denn nach den beiden Predigten von Superintendent Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff und Weihbischof Dr. Johannes Bündgens schöpften die Organisatoren aus dem Vorbereitungsteam Wasser aus beiden Taufbecken für die symbolische Tauferinnerung, die alle Gottesdienstteilnehmer sich untereinander gaben.

„Was für mich in meinem Erleben dieses Reformations-Jubiläumsjahr ausgemacht hat, das war, dass wir als Christen wie auch heute EINE Pilgergemeinde gewesen sind“, sagte Superintendent Bruckhoff. „Katholische und Evangelische, wir sind das wandernde Gottesvolk, wir sind Kirche unterwegs zu den Menschen. Und ich hoffe und wünsche mir, dass diese guten Zeichen des vergangenen Jahres weitergehen auch in der Zukunft!“

Pilger im Schatten der schon im 9. Jahrhundert verbürgten Täuferkirche St. Johannes Baptist. Foto: Reiner Züll/Evgl. Kirchenkreis/pp/Agentur ProfiPress

Der Eifelverein führte den Pilgerweg durch das Schleidener Tal, unter anderem mit dem Vorsitzenden Peter Michalski und dem Ehrenvorsitzenden Heinz Vaßen. Rettungssanitäter des Rotkreuz-Ortsvereins Schleiden fuhren mit.

pp/Agentur ProfiPress

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