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Alles drehte sich um drei Knöpfe

Suchtprävention in Mechernicher Realschule im Feytal – Harald Mießeler erzählte von Schrecken der Spielsucht – Schüler stellten viele Fragen

Mechernich – „Bis ich wieder Spaß an anderen Dingen als meiner Spielsucht hatte, hat es lange gedauert. Es sind viele Jahre, die mir dadurch fehlen – und deshalb warne ich euch.“ Mit diesen Worten saß Harald Mießeler den Schülern in der Mechernicher Realschule im Feytal gegenüber. In der Klasse erzählte der Mechernicher von den Schrecken seiner Spielsucht. Seit er diese überwunden hat, engagiert er sich in der Suchtprävention – vor allem in Schulen.

Harald Mießeler hat sich die Aufklärung über die Spielsucht zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Harald Mießeler hat sich die Aufklärung über die Spielsucht zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

„Die Sucht hatte für mich erste Priorität, für andere Hobbys hatte ich keine Zeit“, erzählte Mießeler bei seinem Besuch in der Realschule. Mehr als zwei Stunden stellte er sich den Fragen der Schüler. Und die stiegen sofort in das Thema ein: „Wie alt waren Sie, als Sie angefangen haben zu spielen?“ „Was hat Ihnen geholfen, aus der Sucht herauszukommen?“ „Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute sagen?“ So lauteten nur einige Fragen der offensichtlich interessierten Schüler.

Harald Mießeler nahm bei den Erzählungen im Rückblick auf seine Zeit als Spielsüchtiger kein Blatt vor den Mund. „Ich packe die Sachen auf den Tisch“, erklärte er. Denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen vor den Gefahren des Glücksspiels zu warnen. „Mit 16 Jahren habe ich angefangen zu spielen. Vor allem die Automaten haben mich angezogen, es drehte sich alles nur noch um die drei Knöpfe“, erinnerte er sich. Letztendlich hatte er durch die Sucht aber alles verloren. Mießeler: „Ich war über ein Jahr obdachlos. Um zurück zu kommen musste ich den ehrlichen Weg nehmen und mir Respekt und Anstand wieder neu erkämpfen.“

Die Schüler der Mechernicher Realschule im Feytal stellten dem ehemaligen Spielsüchtigen viele Fragen. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Die Schüler der Mechernicher Realschule im Feytal stellten dem ehemaligen Spielsüchtigen viele Fragen. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Froh ist er über die Unterstützung, die er im Rahmen der Suchtprävention erhält. So waren auch Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Willi Göbbel, Teamleiter Schulen und Jugend bei der Stadt Mechernich, zu Gast bei seinem Besuch in der Realschule. „Die beiden haben mich immer begleitet und mir den Rücken gestärkt“, erzählte Mießeler.

Neben der menschlichen Unterstützung ist es auch die Musik, die ihm geholfen hat, seinen Weg zu gehen. Bis heute hat er die Aufklärung über die Spielsucht zu seiner Lebensaufgabe gemacht. „Ich habe schon 53 Vorträge gehalten, vor allem in Schulen und Krankenhäusern“, so der Mechernicher. Und er weiß: „Man kann nicht alles verbieten – den entscheidenden Fehler macht man selbst.“

Harald Mießeler (Mitte) stellte sich den Fragen der Schüler zu seiner Spielsucht. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Harald Mießeler (Mitte) stellte sich den Fragen der Schüler zu seiner Spielsucht. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Noch heute wird Harald Mießeler von Albträumen geplagt. Auf die Frage, ob die Vorträge zur Suchtprävention unschöne Erinnerungen in ihm wachrütteln, antwortete er: „Natürlich nimmt mich das mit. Das ist eine harte Kiste.“

pp/Agentur ProfiPress

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