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Adenauer kam zum Kaffee

Felix Bitter für 70 Jahre Unionszugehörigkeit geehrt – Nikolaus Krüger ist seit einem halben Jahrhundert dabei – Jubilar warnt vor nazistischen und rechtspopulistischen Strömungen in Deutschland – Vater war erster Nachkriegsbürgermeister von Bitters Vaterstadt Recklinghausen – Wilhelm Bitter wurde wie viele aufrechte Demokraten aus SPD und Zentrum von den Nazis verfolgt – Birgit Braun-Näger zur stellvertretenden Parteichefin hinter Rudi Mießeler gewählt

Mechernich – Er habe Konrad Adenauer als Junge bei Kaffee und Kuchen in seinem Elternhaus kennengelernt, berichtete der 88-jährige frühere Kommerner Kräuterhändler und Mechernicher Stadtrat Felix Bitter in der jüngsten Sitzung des Unionsstadtverbandes Mechernich.

Bei dieser Tagung wurde Bitter für seine 70jährige Parteizugehörigkeit ausgezeichnet, der Satzveyer Ex-Stadtrat Klaus Krüger ist ebenfalls bereits seit 50 Jahren in der Union. 40 Jahre die Treue halten Wilhelm Braun, Siegfried Breuer, Elmar Esser, Helga Nagelschmidt, Hubert Roos, Anna Schick, Hubert Schmidt und Toni Schröder der Christdemokratie. Für 30 Jahre wurde Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick ausgezeichnet.

Rudi Mießeler, der Stadtverbandsvorsitzende, und der Landtagsabgeordnete Klaus Voussem gratulierten. Mit einem Augenzwinkern sagte ihnen Felix Bitter, eigentlich sei er sogar schon seit 72 Jahren Fan der Union, aber damals sei er noch zu jung für eine offizielle Mitgliedschaft gewesen.

Klaus Voussem (Kreisparteivorstand, ganz links) und Rudi Mießeler (Stadtparteichef, ganz rechts) zeichnete langjährige treue Unionsmitglieder in Mechernich aus. Foto: Stefan Lieser/KStA/KR/pp/Agentur ProfiPress

Bitters Vater Wilhelm, ein gebürtiger Kölner, war nach dem Zweiten Weltkrieg christdemokratischer Oberbürgermeister der Ruhrgebietsstadt Recklinghausen, wo Sohn Felix auch geboren wurde und aufwuchs. Erst später ging Recklinghausen – wie die meisten Ruhrgebietsstädte – an die SPD. Die einen wie die anderen aufrechten Demokraten hatten in der unseligen Nazizeit zuvor unter dem braunen Terror leiden müssen.

Felix Bitters Vater Wilhelm, Inhaber eines Verlages und einer Druckerei, wurde schon einen Tag nach der Machtergreifung, also am 31. Januar 1933 verhaftet. „Er stand offenbar ganz oben auf einer roten Liste“, so Felix Bitter im Gespräch mit dem Reporter Stefan Lieser: „Felix Bitter erinnert sich auch noch an den Brand der Recklinghausener Synagoge und an die Bücherverbrennungen.“

Felix Bitter: „Ich bin alarmiert!“

In der Unionsversammlung, in der Felix Bitter jetzt für 70jährige Zugehörigkeit geehrt wurde, erhob der Jubilar seine warnende Stimme angesichts neuer nazistischer und rechtspopulistischer Tendenzen in Deutschland: Er persönlich sei „alarmiert“, so Bitter in der Montagsausgabe der „Kölnischen Rundschau“ und des „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Zur Versammlung mit Ehrungen waren nur 26 Mitglieder des Mechernicher CDU-Stadtverbands in die Aula der Barbara-Schule gekommen, schreibt Stefan Lieser. Die Versammlung wählte Girgit Braun-Näger zur neuen stellvertretenden Stadtparteichefin hinter Rudi Mießeler.

MdL Klaus Voussem, der stellvertretende Kreisparteichef, kritisierte in seinem „Bericht aus Düsseldorf“ illegale Gülletransporte aus Nachbar-EU-Ländern nach Nordrhein-Westfalen.  Der Landtagsabgeordnete erwähnte 9,8 Millionen Euro Städtebauförderungsmittel, die für acht Projekte in den Kreis Euskirchen fließen, jedoch nicht nach Mechernich. 920 000 Euro gebe es außerdem aus dem Landes-Topf „Soziale Integration“ für Projekte der Gemeinde Dahlem und 2,5 Millionen Euro für ein Schulprojekt in Zülpich.

Eigentlich sei er schon 72 Jahre Unionsfan, scherzte Felix Bitter (88), aber damals sei er noch zu jung für eine offizielle Mitgliedschaft gewesen.  Foto: Stefan Lieser/KStA/KR/pp/Agentur ProfiPress

Als Voussem auf den seit Jahrzehnten wegen des angeblichen Vorkommens von Haselhühnern ausgesetzten Lückenschluss der Eifelautobahn A 1 zu sprechen kam, wurde es turbulent in der Versammlung. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hieb symbolisch auf den Tisch und forderte die zügige Umsetzung der Planungen für den 5,1 Kilometer langen Abschnitt zwischen Tondorf und Lommersdorf. Insgesamt fehlten noch 25 Kilometer bis Kelberg.

Voussem sagte, den Planern mache vor allen Dingen der 9,4 Kilometer lange und 305 Millionen Euro teure Mittelabschnitt zwischen Lommersdorf und Adenau Sorgen. Dort liege das oft zitierte und kaum belegte „Haselhuhn-Potenzialgebiet“, das auf 580 Metern untertunnelt werden solle . . . Mit dem Lückenschluss rechnet der Euskirchener Landtagsabgeordnete deshalb erst in zehn Jahren.

pp/Agentur ProfiPress

 

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